
Die 13. Petersberger Tage der Arbeitsgemeinschaft Strafrecht des Deutschen Anwaltvereins standen unter dem Leitmotiv der internationalen Aspekte der Strafverteidigung. Kaum ein Thema ist derzeit praxisnäher. Umso mehr habe ich mich gefreut, als Panelsprecher gemeinsam mit meinen geschätzten Kolleginnen Dominique Jud aus der Schweiz und Maria Barbancho über die Herausforderungen und Chancen grenzüberschreitender Verteidigung diskutieren zu dürfen.
Wer heute im Wirtschaftsstrafrecht, im Betäubungsmittelstrafrecht oder in umfangreichen Ermittlungsverfahren verteidigt, merkt schnell: Nationale Grenzen spielen für Ermittlungsbehörden längst nur noch eine untergeordnete Rolle. Daten werden in einem Staat erhoben, in einem anderen ausgewertet und in einem dritten in das Strafverfahren eingeführt. Vermögenswerte werden zeitgleich in mehreren Ländern gesichert, Beschuldigte befinden sich in unterschiedlichen Staaten, und Entscheidungen ausländischer Behörden wirken sich unmittelbar auf deutsche Verfahren aus.
Besonders deutlich wird diese Entwicklung in den EncroChat-, SkyECC- und ANOM-Komplexen. Diese Verfahren beschäftigen Gerichte in ganz Europa und werfen bis heute grundlegende Fragen auf. Es geht um die Zulässigkeit ausländischer Datenerhebungen, um die Verwertbarkeit von Beweisen in inländischen Strafverfahren, um europäische Grundrechte, Datenschutzstandards und nicht zuletzt um die effektive Wahrung von Verteidigungsrechten in multinational koordinierten Ermittlungen.
In meiner täglichen Arbeit zeigt sich deshalb immer wieder, dass klassische Strafverteidigung allein aus nationaler Perspektive nicht mehr ausreicht. Wer Mandanten in solchen Verfahren wirksam vertreten will, muss europäisch denken, schnell handeln und verlässlich mit spezialisierten Kolleginnen und Kollegen in anderen Staaten zusammenarbeiten können. Genau aus diesem Grund habe ich das Joint Defense Team gegründet.
Das Joint Defense Team verbindet erfahrene Strafverteidiger aus verschiedenen Ländern mit dem Ziel, komplexe internationale Verfahren gemeinsam strategisch zu begleiten. Für Mandanten bedeutet das kurze Wege, direkten Zugang zu lokaler Expertise und eine abgestimmte Verteidigungsstrategie über Staatsgrenzen hinweg. Für die Verteidigung insgesamt bedeutet es einen notwendigen Entwicklungsschritt.
Denn während Ermittlungsbehörden seit Jahren international vernetzt agieren, darf die Strafverteidigung nicht in rein nationalen Strukturen verharren. Die Zukunft liegt in belastbaren Kooperationen, in fachlicher Spezialisierung und im unmittelbaren Austausch zwischen Verteidigern verschiedener Rechtsordnungen.
Die 13. Petersberger Tage 2026 haben einmal mehr gezeigt, wie gross das Interesse an diesen Themen inzwischen ist. Der offene Dialog mit Kolleginnen und Kollegen, Richtern, Wissenschaftlern und Praktikern war ebenso erkenntnisreich wie motivierend. Für mich steht fest: Die Strafverteidigung der Zukunft ist international, strategisch und vernetzt. Genau daran arbeiten wir im Joint Defense Team jeden Tag.
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